Hochschule Merseburg

Prof. Dirk Sackmann: "Wir wollen unsere Forschung auf die Profillinien Leben, Arbeit und Technologie beziehen"

Am 7. Januar nahmen Prof. Andreas Ortwein und Prof. Mathias Seitz auch symbolisch die neuen Forschungsschwerpunkte der Hochschule Merseburg an. Bild: HS Merseburg|Vincent Grätsch.
Prof. Dr. Andreas Ortwein und Prof. Dr. Mathias Seitz HS Merseburg mit symbolischem Forschungsschwerpunkt

15. Januar 2020

Am 7. Januar stellte die Hochschule Merseburg ihre neuen Forschungsschwerpunkte vor: Projekte zu "Nachhaltige Prozessen" und zum "Digitalen Wandel" sollen zukünftig im Fokus stehen. Warum diese Manifestierung wichtig war und was davon konkret zu erwarten ist, haben wir nachgefragt bei: Prof. Dirk Sackmann, Prorektor für Forschung, Wissenstransfer und Existenzgründung an der Hochschule Merseburg, Prof. Mathias Seitz, Sprecher des Forschungsschwerpunkts "Nachhaltige Prozesse", und Prof. Lutz Klimpel, Sprecher des Forschungsschwerpunkts "Digitaler Wandel".

Welche Forschungsfragen stecken hinter den Schwerpunkten genau?

Prof. Sackmann: Prinzipiell versteht sich die Hochschule Merseburg als Zentrum für angewandte Wissenschaften in der Metropolregion Halle-Leipzig. Uns interessiert, wie wir Transformationsprozesse aktiv und effektiv mitgestalten können. Dabei richten wir unsere Forschung als Hochschule für angewandte Wissenschaften natürlich daran aus, welche Fragestellungen in der Praxis bestehen, die wir in inter- oder transdisziplinärer Zusammenarbeit lösen können. Ausgehend von den an der Hochschule vorhandenen Expertisen sowie den Bedarfen in der Region haben wir in einem Strategieprozess die beiden Forschungsschwerpunkte "Nachhaltige Prozesse" und "Digitaler Wandel" erarbeitet.

In Bezug auf die Forschungsschwerpunkte wollen wir uns – vor dem Hintergrund des jeweiligen thematischen Kontextes – auf die drei Profillinien Leben, Arbeit und Technologie beziehen. Die Profillinien stützen sich wiederum auf Themenfelder, in deren Rahmen einzelne Projekte angesiedelt und umgesetzt werden.

Welche Gründe gibt es für die neuen Forschungsschwerpunkte?

Prof. Seitz: Nachhaltige Entwicklung heißt so zu leben, dass alle zukünftigen Generationen die gleichen Entwicklungschancen haben wie die jetzige Generation und alle Menschen weltweit die gleichen Entwicklungschancen haben. Möglich wird dies nur, wenn sich Produktions- und Lebensweisen einschließlich des Konsumverhaltens grundlegend ändern. Dazu sind Maßnahmen auf technologischem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet erforderlich. Genau hier setzt der Forschungsschwerpunkt "Nachhaltige Prozesse" an, der die erforderliche Neuorientierung von Wirtschaft und Gesellschaft unterstützen will.

Prof. Klimpel: Im Forschungsschwerpunkt "Digitaler Wandel" wollen wir unsere Forschungsanstrengungen rund um digitale Technologien interdisziplinär bündeln. Dabei sollen die Aktivitäten durch das Engagement in über- und regionalen Initiativen unterstützt werden. Insbesondere die Entwicklung der Region im täglichen Leben, in der Wirtschaft sowie in der technologischen Entfaltung stehen im Fokus. Gemäß dem Leitbild der Hochschule Merseburg werden digital orientierte Forschungsergebnisse und Wissenstransfers angestrebt, die regionale Unternehmen und Startups fördern.

Was ist damit konkret verbunden? Zum Beispiel neue Ansprechpartner*innen?

Prof. Sackmann: Mit der Definition der Schwerpunkte haben wir zwei neue interdisziplinäre Forschungsschwerpunkte geschaffen, die von allen Fachbereichen gleichermaßen getragen werden. Die inhaltliche Ausgestaltung und strategische Weiterentwicklung obliegt einem fachbereichsübergreifenden Leitungsteam. Unterstützend haben wir eine Managementebene etabliert. Eine der vorrangigen Aufgaben der neuen Kolleginnen und Kollegen wird es sein, unsere Forschenden bei der Einwerbung und Umsetzung von Forschungs- und Transferprojekten zu unterstützen, in dem die damit verbundenen administrativen und organisatorischen Aufgaben vom Managementteam übernommen werden. Zudem werden sie das Leitungsteam bei der strategischen Weiterentwicklung des Forschungsschwerpunktes unterstützen und die Vernetzung nach innen und außen befördern.

Gibt es bereits FuE-Projekte zu den neuen Forschungsthemen bzw. Anfragen von KMU? Um welche Probleme geht es dabei?

Prof. Sackmann: Offiziell an den Start gegangen sind die Forschungsschwerpunkte bei unserem Kick-Off am 7. Januar 2020. Das heißt aber nicht, dass wir erst jetzt mit der inhaltlichen Arbeit beginnen. Im Gegenteil: die ersten Projekte laufen schon.

Prof. Klimpel: Für den Forschungsschwerpunkt "Digitaler Wandel" möchte ich beispielhaft auf das Projekt Checkpoint-S verweisen, in dem eine App zur Unterstützung von Substitutionspatient*innen entwickelt wird. Die App ist ein digitales Begleit-Tool in der Substitutionstherapie, welche auf die Wünsche und Bedürfnisse von Patient*innen und Behandler*innen zugeschnitten ist. Das Forschungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und unter Mitwirkung verschiedener Praxispartner*innen aus der Suchtkrankenhilfe in Halle (Saale) und Berlin erarbeitet.

Außerdem konnte kürzlich die Kooperation zwischen der Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis GmbH und der Hochschule Merseburg im KAT-Projekt „CvBK-Patient“ vertieft werden. Ziel ist die Unterstützung des Projektmanagements für die Optimierung der patientenorientierten Prozesse auf den Stationen – hier unterstützt die Hochschule Merseburg auch zukünftig durch die wissenschaftliche Begleitung und die projektspezifische Unterstützung.

Prof. Seitz: Unter den im Forschungsschwerpunkt "Nachhaltige Prozesse" laufenden Projekt soll hier BioenergiePLUS erwähnt werden. Das Pilotprojekt demonstriert und erprobt erste Möglichkeiten des optimalen Anbaus von Industriehanf und dessen vielfältigen Verwertungsmöglichkeiten, v.a. zur Energiegewinnung, als Lebensmittel, in Kosmetika und als Baustoffe. Ziel ist es, die Chancen im innovativen und zukunftsfähigen Themenfeld zu nutzen (Anbau und Verwertung von Industriehanf), eine Modellregion für die Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe zu schaffen und die Stärkung des Innovationspotenzials zu unterstützen. Das Projekt findet im Rahmen des Modellvorhabens „Unternehmen Revier“ statt.

Über den Forschungsschwerpunkt sollen Projekte beantragt werden, die dem interdisziplinären Gedanken gerecht werden. Denkbar wäre hier eine Fortsetzung einer Studie zum chemischen Kunststoffrecycling. Neben der Entwicklung von Technologie müssen wirtschaftliche Szenarien betrachtet und die Akzeptanzuntersuchungen zu Sammelkonzepten in der Bevölkerung durchgeführt werden. Im Zusammenspiel der Disziplinen lassen sich dann nachhaltige Kunststoffrecyclingprozesse von der Abfallsammlung bis zur Wiederverwendung entwickeln.

 

Vielen Dank!

spc

Informationen und Kontakt

Alle Informationen zu Forschung und Transfer der Hochschule Merseburg sind unter diesem Link zu finden: hs-merseburg.de/forschung-und-transfer/

Am 7. Januar wurden an der Hochschule Merseburg auch die Forschungspreise vergeben. Dazu mehr in der Pressemitteilung der Hochschule.

 

Text und Bilder (soweit nicht anders benannt): Claudia Aldinger (ehemals Kusebauch)

Wort-Bild-Marke KAT-Netzwerk

Die Hochschule Merseburg hat das KAT-Netzwerk 2006 gemeinsam mit den Hochschulen Anhalt, Harz und Magdeburg-Stendal gegründet und ist u.a. federführend bei der Veranstaltungsreihe "Wirtschaft trifft Wissenschaft" in Zusammenarbeit mit der IHK Halle-Dessau.