Hochschule Merseburg

 

Vom Bergbau zum Industriehanf: Forschung zu neuen Wertschöpfungsketten im Burgenlandkreis

Bild: NickyPe auf Pixabay.
Feld mit Industriehanf Projekt BioenergiePLUS Hochschule Merseburg

29. Juli 2020

Was wird aus den ehemaligen Bergbaugebieten? Hochschulen suchen aktuell in ganz unterschiedlichen Projekten nach Antworten auf diese Frage. Die Hochschule Merseburg folgt in ihrem Forschungsprojekt BioenergiePLUS der Spur einer der ältesten Kulturpflanzen: Industriehanf. Wie die neuen Wertschöpfungsketten im Burgenlandkreis aussehen könnten, haben wir Prof. Lutz Klimpel gefragt:

In der Bioökonomie gibt es die verschiedensten Ansätze. Was macht Industriehanf für den Burgenlandkreis so interessant?

Zum einen eignet sich Industriehanf für die Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften, zum anderen herrschen im Burgenlandkreis ideale Bedingungen für lukrative Wertschöpfungsketten und für die Entwicklung innovativer Anwendungen von Hanf.

Mit dem Aufbau einer auf Industriehanf basierten Branche im Burgenlandkreis besteht die realistische Chance, dass – ganz allgemein – neue Perspektiven und insbesondere Alternativen zu den vom Wegfall bedrohten Arbeitsplätzen sowie eine große Kompetenzvielfalt geschaffen werden.

Welche Expertise bringt die Hochschule Merseburg in die Schaffung der neuen Wertschöpfungskette ein? Welche Fragen werden (wahrscheinlich) offenbleiben?

An der Hochschule Merseburg existiert zur Thematik Hanf seit 2017 ein „Interdisziplinärer Verbund Forschung und Entwicklung zur Kulturpflanze Hanf“, an dem mehr als zwanzig WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen beteiligt sind, die diverse Wissenschaftsdisziplinen (u. a. Pflanzenwissenschaft, Biochemie, Agrarwissenschaften, Medizin, Pharmakologie, Ingenieurwissenschaften, Sozialwissenschaften) vertreten und bereits heute an der Erschließung dieser alten Kulturpflanze im Rahmen der gesellschaftlich angestrebten Bioökonomischen Wende arbeiten. Mit ihrer Expertise belegt dieser Verbund, dass in der Region und darüber hinaus durchaus ausreichend Potenzial für die angesprochenen Bereiche von Forschung, Entwicklung und Überführung in praktische Anwendungen vorhanden ist. 

Darüber hinaus verfügt die Hochschule Merseburg über Praxiserfahrung und spezielle Kenntnisse auf den Gebieten energetische Verwertung, Analyse von Inhaltsstoffen des Hanfs und Entwicklung innovativer Werkstoffe sowie umfangreiche Projektmanagement-Erfahrung.

„Zum einen eignet sich Industriehanf für die Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften, zum anderen herrschen im Burgenlandkreis ideale Bedingungen für lukrative Wertschöpfungsketten.“
Prof. Lutz Klimpel, Hochschule Merseburg

Wie haben potenzielle AnwenderInnen – wie Agrarbetriebe – auf die Idee reagiert? Sehen Sie Offenheit für neue Anbaukonzepte bzw. die Bereitschaft zu Investitionen in diese?

Die Bereitschaft der Landwirte im Burgenlandkreis Industriehanf anzubauen, besteht, jedoch müssen neben den bereits vorhandenen Abnehmern noch weitere gefunden werden, damit sich ein flächendeckender Anbau lohnt. Voraussetzung ist, dass die Abnehmer sich in unmittelbarer Umgebung zum Burgenlandkreis befinden, da der Transport sehr kostenintensiv ist und somit ein längerer Fahrtweg unrentabel wäre. Dies ist vor allem im Baustoffbereich der Fall.

Können Sie schon sagen, unter welchen Voraussetzungen die energetische Nutzung von Industriehanf wirtschaftlich wird?

Die Brennstoffanalyse hat ergeben, dass die Verbrennung der Hanfpelletcharge in der Feuerungsanlage ohne Probleme verlief und ein stabiles Abbrandverhalten möglich war. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass der Pelletiervorgang wegen der physikalisch-mechanischen Eigenschaften (Abriebfestigkeit, Feinanteil und Schüttdichte) noch optimiert werden muss, bevor die energetische Nutzung von Industriehanf wirtschaftlich wird.

Außerdem handelt es sich beim Verbrennungsversuch lediglich um eine Messung, aus diesem Grund sollte die Wirkung etwaiger brennstoff- und anlagentechnischer Maßnahmen für die Entwicklung eines marktfähigen Brennstoffes erneut geprüft werden.

spc

Informationen und Kontakt

Mehr über das Projekt BioenergiePLUS ist auf der Homepage der Hochschule Merseburg nachzulesen. Förderer ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Modellvorhabens „Unternehmen Revier“. Neben Prof. Lutz Klimpel (Allgemeine Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik) sind auch Prof. Dietmar Bendix (Energietechnik), Prof. Gundula Barsch (Drogen und Soziale Arbeit) sowie Prof. Alfred Frei (Kulturgeschichte) wissenschaftliche PartnerInnen des Projekts.

Prof. Dr. Lutz Klimpel, 0179-1404346, lutz.klimpel@hs-merseburg.de

Text und Bilder (soweit nicht anders benannt): Claudia Aldinger

Wort-Bild-Marke KAT-Netzwerk

Das Projekt BioenergiePLUS wurde mit Unterstützung des KAT-Kompetenzzentrums an der Hochschule Merseburg initiiert.